Review: Adam Chaplin

24 Minuten. So viel fehlt in der deutschen Fassung von Adam Chaplin. Und so viel Splatter gibt es in Adam Chaplin. Die Deutschen bekommen davon nichts mit und müssen sich mit einem Film begnügen, der nur noch zu zwei Drittel existiert und gerade mal eine knappe Stunde lang ist. Nur gut, dass es den Import gibt, denn sonst müssten wir Adam Chaplin als den wohl schlechtesten Film aller Zeiten abstempeln. Denn das, was dem deutschen Markt vorenthalten wird, ist das, woraus der Film besteht: Splatter.


Und das war’s auch schon wieder. Wir bekommen die Story eines Mannes vorgesetzt, dessen Freundin (oder Frau?) wegen ihrer Schulden umgebracht wurde. Dieser will sie aber unbedingt noch einmal wiedersehen und wie sich im Laufe des Filmes herausstellt (es geht rasant los), hat er die Hilfe eines Dämons bekommen, der ihn anweist, diejenigen zu töten, die für den Tod seiner Freundin verantwortlich sind und der ihn dazu nötigt, “sein Wort” zu verbreiten.


So zieht Adam also los und prügelt was das Zeug hält. Wir bekommen hervorragende, anime-ähnliche Splatter- und Kampfszenen vorgesetzt, die hektoliterweise Blut beinhalten. Glücklicherweise auch auf Basis einer neuen Technik, die das Blut deutlich flüssiger erscheinen lässt und es nicht zu einem Nebel verkommen lässt wie in vergleichbaren Asia-Produktionen. Alle Kämpfe basieren eigentlich nur auf dem Prinzip, wie sie ablaufen würden, wenn man einfach endlos Kraft hätte. So zerplatzen Köpfe durch Faustschläge oder Handkanten zerteilen Körper. Rippen werden einfach mal so im Vorbeigehen herausgerissen.


Bei all diesem Spaß bleibt aber leider die pure Spannung sehr zurück, denn Adam ist unbesiegbar. Wie sehr unbesiegbar merkt man schon früh im Film und auch später scheint er keine Schwachstellen zu haben. Er rauscht einfach so durch die Gegner, bis er sein Hauptziel erreicht hat. Und dann ist der Film zu Ende. Dazwischen ist er meiner Meinung nach etwas wirr erzählt, mit ständigen Zeitsprüngen und Charakterwechseln, die man nicht sofort bemerkt, weil sie sich gleich verhalten. (Wer zum Teufel ist Mike??) Am Ende bin ich mir nun nicht einmal so sicher, ob er seine Freundin denn nun wiedergefunden hat oder nicht. Und wie das alles mit dem Dämon zustande kam, muss man sich auch mehr oder weniger selber zusammenreimen.


Für den Splatterfreund gibt es aber zumindest in der britischen, niederländischen oder originalen italienischen Fassung gute 24 Minuten Splatter zu bewundern. Das reicht mir für einen guten Film aber nicht. Ich habe die englische Fassung und hier muss man auf eine Synchronisation verzichten und auf den originalen italienischen Ton mit englischen Untertiteln zurückgreifen. Die deutsche Synchro ist aber angeblich sowieso nicht sonderlich berauschend. Eine Fassung über Österreich ist noch nicht angekündigt. Anhand der Tatsache, dass es sich um ein Low-Budget-Projekt und den Erstling der Produktionsfirma handelt, ist das wenig verwunderlich.


Ich verbleibe jedenfalls mit einer eingeschränkten Empfehlung für Freunde des gepflegten Kranken und vergebe 65%. (Hauptsächlich wegen den fehlenden Twists und dem eiskalten Kampf, ohne Mitgefühl aufkommen zu lassen. Beides ist der mangelhaften Spannung zu Lasten zu legen. Schade, denn von der technischen Seite ist alles da. Es hätte nur etwas mehr … naja, Spannung gebraucht.)


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