GTA 5 (PC)

Zunächst einmal muss ich erwähnen, dass ich von Anfang an nicht sonderlich gehyped war, was dieses Spiel angeht. Es ging ein wenig an mir vorbei und wie immer wollte ich kein GTA auf der Konsole spielen. Das ewige Gejammere der Community über das Fehlen einer PC-Version habe ich gekonnt ignoriert und mich teilweise etwas geschämt für dieses kindische Verhalten. Kurz vor Release war mir das Game dann völlig egal. Aber einen Tag später war es mir plötzlich wieder wichtig. Und ich schaute auf das Video von TotalBiscuit, der die technische Kompetenz analysierte. Er gab sein OK und ich rannte in den nächsten Laden. GTA 5 hat es also problemlos geschafft, mich wieder zu bekehren. Wie es das geschafft hat, weiß ich nicht aber ich kann euch dafür sehr gut sagen, warum ich es nicht bereue, dass es passiert ist.


Zu Beginn des Spiels kommt man sich eigentlich vor wie in jedem anderen normalen GTA oder vergleichbaren Third Person Shooter vor. (Ja, ich spiele ausschließlich Third Person - Egoperspektive hat in GTA meiner Meinung nach nichts verloren.) Wir spielen einen maskierten Dieb, wir haben maskierte Mitstreiter und nach einem scheinbar unglücklich ausgegangenen Raubzug haben wir die Polizei an den Hacken und die erste Schießerei beginnt. Und schon alleine mit dieser Schießerei hebt sich GTA 5 von anderen Teilen ab: Musik ohne Radio. Donnerwetter!


Solche winzigen Stilbrüche habe ich im Spielverlauf oft bemerkt und war stets positiv überrascht, dass sie sich sehr gut in das Gesamtbild einfügen, obwohl ich zuvor gesagt hätte, ein GTA dürfe keine Musik ohne das Autoradio abspielen. Aber es funktioniert! Und es ist dadurch für mich nicht weniger GTA als die anderen Teile.


Jedenfalls gibt es ab diesem Zeitpunkt einen gewissen Zeitsprung und was da eben eigentlich alles passiert ist, zeigt sich im verlauf der Story. Diese bestreiten wir zunächst mit Franklin, einem Mann direkt aus dem Ghetto in Los Santos, in das man auch Carl Johnson aus GTA San Andreas einordnen würde. Später gesellt sich auf sehr coole Art und Weise Michael dazu, der mit argen Familienproblemen zu kämpfen hat und sich unbeabsichtigt mit den falschen Leuten anlegt. Sein alter Kumpel Trevor kommt später auch noch hinzu und so finden wir uns plötzlich mit drei spielbaren Charakteren wieder. Auch ein Punkt, den ich zunächst für keine gute Idee hielt aber wir alle haben es oft gelesen und ich kann es nur bestätigen: Rockstar kann richtig gute, plastische, interessante Charaktere erschaffen. Jeder Protagonist ist so glaubwürdig dargestellt, dass man meinen könnte, er wurde direkt aus dem echten Leben gerissen.


Dabei bleibt es sehr interessant zu sehen, wo unsere Charaktere hergekommen sind, was sie antreibt und wie sie miteinander verknüpft sind. Spielerisch gesehen bekommen wir hier eigentlich drei Spiel präsentiert - jeder der drei Männer bietet genug Inhalt, um ein eigenes GTA zu füllen. Alle drei zusammen blasen mich vom Hocker! Keiner würde auf die Idee kommen, den Helden aus GTA 3, Vice City und San Andreas in ein Spiel zu quetschen. Aber das ist es praktisch, was hier gemacht wurde! Die Wechsel zwischen den Charakteren sind außerhalb der Missionen cool, weil sie ihr eigenes Leben leben. Trevor liegt mal irgendwo besoffen in einer Gasse, wenn wir zu ihm wechseln oder er liefert sich gerade eine Schießerei. Wir wissen nicht, in welchen Problemen die Männer gerade stecken, weshalb man tatsächlich etwas abwägen muss, ob man nun wechseln will oder nicht. Denn jeder Charakter hat seine eigene Spezialfähigkeit (Zeit verlangsamen, Ballermodus oder Fahrerskill) und die will man zur richtigen Zeit nutzen.


Manche Missionen erlauben es uns auch, die Charaktere zu wechseln, was dafür sorgt, dass wir sie teils auf andere Art und Weise erleben können. Wollen wir nun den Helikopter fliegen oder uns lieber herauslehnen und ballern? Koordinierte Gamer können vielleicht beides gleichzeitig! Bei all diesem Gewechsel erscheint mir dieses Feature auch nie aufgezwungen. Erinnern wir uns mal an GTA San Andreas - in Los Santos war man praktisch nie alleine unterwegs. Stellt euch vor, ihr könntet Big Smoke, Sweet oder Rider spielen. Auf die Typen auf dem Zug zu schießen, anstatt das Motorrad zu fahren. Die Waffenkisten aufzufangen, anstatt sie zu werfen. Den Helikopter zu fliegen, anstatt den Raketenwerfer zu benutzen (ok, blödes Beispiel). Die Möglichkeiten scheinen endlos zu sein.


Dazu kommt noch, dass jeder Charakter ein eigenes Auto hat und sich dieses schön aufmotzen lässt. Klingt jetzt nicht besonders aber wir können tatsächlich aus einer Rostlaube ein schickes Gefährt machen. Oder wir gehen Golfen. Oder Tennis spielen. Oder zum Dart. Oder zum Yoga. Das klingt nicht nur dämlich, sondern ist es auch. Und dennoch macht es Spaß. Wer will schon Ingame Yoga machen? Trotzdem hat es irgendwie etwas! Die Nebenaktivitäten sind so zahlreich, dass man sich stundenlang mit ihnen beschäftigen kann. Vor allem die Nebenjobs haben es mir angetan. Die findet man immer wieder am Straßenrand und es handelt sich hier um Leute, die meist einmalig irgendwas von uns wollen. So kann es passieren, dass wir einem Typen begegnen, der Gras legalisieren will, uns einen Zug andreht und wir dann im Trip mit einem Raketenwerfer gegen Clowns kämpfen und danach von Aliens entführt werden. Das klingt etwas nach Saints Row aber es passt rein! Und ich weiß nicht, wieso! Es gibt viel zu sehen in GTA 5 und alles spielt sich perfekt! Jeder Aspekt ist bis zum Ende ausgefeilt! Und dann ist da noch der Multiplayer.


Ja, der macht Spaß. Aber! Und das ist ein großes Aber! Man sollte sich dringendst mit Kumpels verabreden und sich per Skype oder sonstwas abstimmen und unterhalten. GTA Online kann verdammt viel Spaß machen, wenn man durch die Gegend blödelt oder tatsächlich Aufträge annimmt. Das können kleine Raubüberfälle sein, groß angelegte Raubzüge, Deathmatches oder Wettrennen. Hier gibt es viel zu tun aber mit Leuten zu spielen, die man nicht kennt und mit denen man sich nicht unterhält, geht meist nicht gut aus. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass nicht genug aufeinander geachtet wird. Zwei haben ein Auto, brausen los und man selber steht da und fragt sich, was eben passiert ist. Beim Versuch, hinterherzufahren, bekommt man eine Todesnachricht und die Mission ist gescheitert. Das ist aber nicht die Schuld des Spiels, sondern die Schuld der Spieler. Deshalb das kurze Fazit: Mit echten Freunden macht's Spaß; alleine sollte man es lassen. Dafür hat der Singleplayer genug zu bieten.


Zum Schluss gehe ich auch noch kurz auf die technische Front ein, die bei mir beinahe tadellos ist. Beinahe, weil ich (wie scheinbar jeder Spieler aktuell) etwas Probleme beim Autofahren habe. Hier tauchen immer wieder anscheinend Mikroruckler auf, wie man sie von schlecht optimierten Multi-GPU Systemen kennt. Warum das auftaucht, bleibt bis jetzt ein Rätsel, denn das Spiel zu Fuß bleibt sowas von Konstant auf 60 FPS, dass es fast schon gruselig ist. Ich habe einen Xeon E3-1231v3, eine GTX 760 und 8 GB RAM. Damit läuft das Spiel auf mittlerer bis hoher Qualität in 1080p mit saftigen 60 Frames. Mehr kann ich von einem wunderschönen, modernen, topaktuellen Spiel nicht erwarten.


Gekauft habe ich das Game als Retail wenige Tage nach Release, daher auf meiner Seite also kein Steam. Die Installation hat wegen sieben Double-Layer DVDs recht lange gedauert aber es war erträglich. Der Rockstar Social Club funktionierte zu Beginn sofort und das Spiel startete auch beim ersten Mal. Beim zweiten Start gab es Probleme, weil scheinbar mein Passwort nicht stimmte, was wegen aktivem Passwortmanager-Einsatz aber unmöglich war. Es hat etwas gedauert aber des Rätsels Lösung war, dass Rockstar anscheinend keine sehr langen Passwörter mag. Etwas kürzer gemacht und es hat funktioniert. Kostete etwas Nerven, aber gut. Seit diesem Tag hatte ich nicht einen Absturz, keine Fehlermeldungen und abgesehen von den Mikrorucklern optimale Performance.


An diesem Punkt weiß ich nicht, was ich noch sagen soll, denn wer bis jetzt nicht verstanden hat, warum GTA 5 ein großartiges Spiel ist und warum ich es zu 100% empfehle, der wird es nie verstehen.